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Warum der Kögel zum Kostenrisiko werden kann

Die Diskussion um den Umzug der Stadtbücherei in den Kögel wird von der Stadt Esslingen offensiv geführt. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass viele zentrale Informationen fehlen und gerade dort, wo Transparenz notwendig wäre, bleibt der Blick erstaunlich unscharf. Während der Pfleghof öffentlich detailliert bewertet wird, bleiben beim Kögel grundlegende Fragen ungeklärt.

Dieser Beitrag zeigt auf, was wir wissen, was unklar ist und welche Risiken nicht kommuniziert werden, obwohl sie für einen Bürgerentscheid unverzichtbar wären.

1. Was wir wissen: Die Stadt veröffentlicht keine aktuellen Zahlen

Auf der offiziellen Projektseite werden zwar Kosten genannt, doch diese stammen laut Angaben aus 2022, also aus einer völlig anderen Bau- und Marktlage.

Seitdem sind laut Branchenstatistiken:

  • Baupreise massiv gestiegen
  • Materialkosten volatiler geworden
  • energetische Mindeststandards verschärft worden

Dennoch kommuniziert die Stadt weiterhin mit veralteten Zahlen, ohne neue Gutachten oder Nachkalkulationen vorzulegen.

Relevante Frage:

Warum werden Entscheidungen mit Zahlen begründet, die vier Jahre alt sind und warum gibt es keine aktualisierte Kostenschätzung für 2025/26?

2. Was unklar bleibt: Der tatsächliche Zustand des Kögels

Während beim Pfleghof jedes Detail öffentlich dargestellt wird, zeigt der Kögel eine auffällige Informationslücke.

Zu folgenden Punkten gibt es keine transparenten Angaben:

  • Statik und Tragfähigkeit für eine vollwertige Bibliothek
  • Zustand des Daches
  • Zustand der Kellerbereiche
  • Feuchtigkeitsschäden oder Wassereintritt
  • energetischer Sanierungsbedarf
  • Brand- und Schallschutzanforderungen

Hinzu kommt ein weiterer, besonders sensibler Aspekt:

Im Gutachten über Gebäudeschäden vom 9. Oktober 2024 wird darauf hingewiesen, dass das Gebäude ein Faserzementdach besitzt, das Asbest enthalten kann. In dem Gutachten heißt es ausdrücklich, dass dieser Umstand bei Veränderungen am Dach oder bei einer späteren Entsorgung zu berücksichtigen ist. Eine nähere Untersuchung des Materials wurde jedoch bislang nicht vorgenommen.

Gerade dieser Punkt ist für die Kostenbewertung entscheidend. Asbest bedeutet nicht automatisch eine akute Gefahr, wohl aber ein erhebliches Kosten- und Planungsrisiko, sobald Umbauten, Sanierungen oder Entsorgungen notwendig werden. Ohne eine genaue Untersuchung bleibt offen, welche zusätzlichen Auflagen, Schutzmaßnahmen und Mehrkosten im Fall eines Umbaus tatsächlich entstehen würden.

In Gesprächen und Gremien kursieren Hinweise darauf, dass:

  • das Gebäude statisch nicht für Bücherlasten ausgelegt ist
  • das Dach Sanierungsbedarf hat
  • im Keller Feuchtigkeit oder Wasser stehen soll

All diese Punkte sind bislang nicht transparent dokumentiert, obwohl sie maßgeblich beeinflussen, wie teuer und aufwendig ein Umbau des Kögels tatsächlich wäre.

Relevante Frage:

Warum werden bauliche Risiken des Kögels nicht offen kommuniziert, obwohl sie für die Nutzung als Bibliothek elementar sind?

3. Was fehlt: Ein echter Variantenvergleich, für beide Standorte

Die Stadt argumentiert, der Kögel sei die bessere Lösung.
Doch diese Argumentation stützt sich nicht auf gleichwertig bewertete Alternativen.

Für den Pfleghof wurde eine High-End-Sanierungsvariante entwickelt:
ein Ausbau auf höchstem Standard, mit umfangreichen Modernisierungen und hohen Investitionen.

Was fehlt:

  • eine Basis-Sanierungsvariante
  • eine mittlere, realistische Kostenvariante
  • eine funktionale „Bibliothek ohne Prestige“

Für den Kögel dagegen gibt es:

  • keine detailliert veröffentlichte Kostenschätzung
  • keinen Variantenvergleich
  • keine Sanierungsstufen
  • keine nachvollziehbare Risikoabschätzung

Relevante Frage:

Warum wurde beim Pfleghof „Wünsch dir was“ geplant, während beim Kögel offenbar nicht einmal die Mindestanforderungen öffentlich bewertet wurden?

4. Das strukturelle Risiko: Ein Bau mit unbekannten Nebenkosten

Der Kögel ist ein älteres Gewerbegebäude.
Gewerbegebäude bringen systematisch höhere Risiken mit sich:

  • unklare Traglasten
  • Anpassungsbedarf an Publikumsverkehr
  • neue Anforderungen bei Barrierefreiheit
  • neue Anforderungen bei Belüftung, Brandschutz, Akustik
  • mögliche Altlasten in Böden oder Bauteilen
  • höhere Energiekosten bei schlechter Dämmung
  • potenzielle Überraschungen bei Haustechnik und Statik

Ohne transparente Gutachten ist jedes Risiko eine potenzielle Kostenlawine.

Relevante Frage:

Wer trägt die Verantwortung, wenn sich nach dem Kauf herausstellt, dass der Kögel deutlich teurer wird als dargestellt?

5. Der politische Eindruck: Ein bevorzugtes Projekt ohne volle Datenlage

Der Umgang mit Informationen erweckt den Eindruck, dass:

  • Risiken des Kögels verkleinert
  • Risiken des Pfleghofs vergrößert
  • Vergleichsdaten zurückgehalten
  • Entscheidungen vorweggenommen

…werden.

Das mag nicht beabsichtigt sein, der Eindruck ist dennoch da.
Und dieser Eindruck ist gravierend, denn er betrifft die demokratische Integrität eines Bürgerentscheids.

Relevante Frage:

Wie sollen Bürgerinnen und Bürger informiert entscheiden, wenn zentrale Fakten zu einem der beiden Standorte nicht veröffentlicht werden?

6. Was Esslingen jetzt braucht: Transparenz statt Vertrauen

Der Kögel kann eine Chance sein.
Er kann aber genauso gut ein teures Risiko werden.

Niemand kann das beurteilen, weil die wichtigsten Informationen fehlen.

Deshalb braucht Esslingen jetzt:

  • eine vollständige Offenlegung aller Gutachten
  • eine aktuelle Kostenschätzung (2025/26)
  • einen echten Variantenvergleich für beide Standorte
  • eine klare Risikobewertung, publiziert und prüfbar
  • eine begründete Entscheidung, nicht eine gefühlte

Nur dann kann ein Bürgerentscheid wirklich auf einer soliden Grundlage stattfinden.

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